Buchvorstellungen

Amok & Terror: Eigensicherung und Überleben

Die ersten Minuten einer Gewalttat stellen Fragen, die sich besser vorher beantworten lassen: Wo finde ich Schutz, wie bleibe ich handlungsfähig und wer übernimmt welche Aufgabe?

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Der zweite Ausgang ist irgendwo hinter dem Verkaufsraum. Die Verbindungstür im Büro lässt sich vielleicht abschließen. Wer im Team den Notruf übernimmt, wurde noch nie besprochen. Im Alltag fallen solche Unklarheiten kaum auf. Bei einer schweren Gewalttat können sie plötzlich jede Entscheidung erschweren.

„Amok & Terror: Eigensicherung und Überleben“ setzt genau an dieser Lücke zwischen gewohntem Alltag und vorbereiteter Reaktion an. Ronny Schmidt beschäftigt sich mit dem Zeitraum, in dem eine akute Bedrohung bereits besteht und professionelle Hilfe noch nicht eingreifen kann. Er verbindet das Verhalten einzelner Betroffener mit der Frage, wie Unternehmen, Schulen und andere Einrichtungen ihre Menschen auf solche Situationen vorbereiten können.

Drei Handlungsoptionen und eine entscheidende Ergänzung

Den Kern bildet „Run, Hide, Fight“: Flucht, Verbergen und Gegenwehr als letzte Möglichkeit, wenn die anderen Wege versperrt sind. Schmidt erläutert diese Optionen anhand von Räumen, Wegen und alltäglichen Gegenständen. Dabei geht es auch um den Unterschied zwischen Sichtschutz und tatsächlicher Deckung, um blockierte Ausgänge und um die Gefahr, unter Stress ausschließlich den vertrauten Haupteingang im Blick zu haben.

Seine besondere Ergänzung ist das „3-plus-1“-Prinzip. Sobald ein vorläufig geschützter Bereich erreicht ist, beginnt das Konsolidieren: die Situation ordnen, Anwesende und Verletzte erfassen, Aufgaben übernehmen und die Verständigung mit den Einsatzkräften vorbereiten. Das Buch verfolgt die Lage damit über die erste Fluchtbewegung hinaus. Auch hinter einer geschlossenen Tür bleiben Entscheidungen zu treffen.

Die psychologischen Kapitel erklären, weshalb Menschen Gefahren zunächst harmlos deuten, erstarren oder auf die Reaktion anderer warten. Daraus entwickelt Schmidt seinen Ansatz kurzer, vorbereiteter Abläufe. Die Beschäftigung mit bewaffneter Gewalt, einschließlich Messerangriffen, erhält so einen konkreten Bezug zum eigenen Verhalten: Welche Möglichkeiten habe ich an diesem Ort überhaupt erkannt?

Vom gelesenen Plan zur Vorbereitung vor Ort

Ein umfangreicher Teil des Handbuchs gilt der Umsetzung in Gebäuden. Raumbegehungen, Türfunktionen, voneinander unabhängige Wege, Alarmierung und erreichbares Notfallmaterial werden zusammen betrachtet. Vier Rollen ordnen die Aufgaben: Sicherheit an der Tür, Kommunikation, medizinische Hilfe und Koordination. Beispielhafte Notfallkarten machen daraus kurze Handlungsfolgen, die an das jeweilige Objekt angepasst werden können.

Dazu kommt ein Trainingskonzept mit kurzen Übungen und einem über zwölf Monate aufgebauten Jahresplan. Schmidt beschreibt, wie aus dem Kennenlernen der Räume schrittweise eingeübte Abläufe werden. Nachbesprechungen dienen dazu, konkrete Lücken zu finden und zu schließen. Ein eigener Abschnitt über traumasensibles Training behandelt Freiwilligkeit, Abbruchmöglichkeiten und die kontrollierte Gestaltung von Übungssituationen.

Das Handbuch berücksichtigt außerdem Bedingungen, unter denen Standardpläne an Grenzen stoßen: Alleinarbeit an abgelegenen Standorten, große Veranstaltungen und Menschen, die Unterstützung beim Bewegen, Wahrnehmen oder Verstehen benötigen. Die Frage nach einem erreichbaren Schutzraum wird dadurch ebenso konkret wie die nach einer Warnung, die auch gehörlose Personen erreicht.

Für Menschen mit Verantwortung – auch für sich selbst

Fünf Fallbetrachtungen, darunter Virginia Tech, der Thalys-Zug und der Anschlag auf die Synagoge in Halle, ergänzen die systematischen Kapitel. Hinzu kommen eine Einordnung deutscher Rechtsfragen sowie ein Anhang mit Notfallkarten und einem Muster für die Sicherheitsbegehung. Diese Arbeitsmittel geben Lesern einen Ausgangspunkt, um die eigene Umgebung bewusster zu prüfen.

Schmidt schreibt direkt und mit deutlichem Nachdruck. Als ehemaliger Fallschirmjäger sowie Inhaber von Urban Defense und Team-Survival richtet er den Blick auf Vorbereitung und Handlungsfähigkeit. Besonders angesprochen sind Verantwortliche in Betrieben und Bildungseinrichtungen, Mitarbeitende mit Publikumsverkehr und Privatpersonen, die sich mit ihrem Verhalten bei schwerer Gewalt auseinandersetzen möchten. Das Buch lädt dazu ein, im eigenen Gebäude nachzusehen: Welche Türen funktionieren, welche Wege sind frei und was haben die Menschen darin gemeinsam geübt?

Buchdaten

  • Autor: Ronny Schmidt
  • Titel: Amok & Terror: Eigensicherung und Überleben
  • Untertitel: Vom Opfer zum Akteur: Das Praxis-Handbuch für Notfallpläne, Taktik und Prävention in Unternehmen, Schulen und im Alltag
  • Sprache: Deutsch
  • Taschenbuch: 118 Seiten
  • Erscheinungstermin: 14. Dezember 2025
  • ISBN-13: 979-8278747635

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Über den Autor: Ronny Schmidt